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Statistiken zur Kinderkrippen-Nutzung in der Schweiz – Teil 2

www.eltern-zeit.de am 29. Juli 2015

Gerade konnten wir auf Facebook lesen, dass es in der Schweiz von der Zurich Versicherung inzwischen eine so genannte „Kinderkrippen-Versicherung“ gibt. Das haben wir uns näher angeschaut, und zudem hat es uns daran erinnert, dass wir zu unserem Beitrag Zahlen und Fakten zur Kleinkinder-Betreuung in der Schweiz einen 2. Nachfolge-Teil machen wollten. Also:

Wie teilen sich Vater und Mutter die Kinderbetreuung auf?

Diese Statistik zeigt die Ergebnisse einer Umfrage zur Aufteilung der Kinderbetreuung in Paarhaushalten in der Schweiz im Jahr 2013. Bei 71,2 Prozent der Paarhaushalte in der Schweiz übernahm hauptsächlich die Mutter die Aufgabe, ihre Kinder anzuziehen. (Quelle: STATISTA / Bundesamt für Statistik Schweiz)

Diese Statistik zeigt die Ergebnisse einer Umfrage zur Aufteilung der Kinderbetreuung in Paarhaushalten in der Schweiz im Jahr 2013. Bei 71,2 Prozent der Paarhaushalte in der Schweiz übernahm hauptsächlich die Mutter die Aufgabe, ihre Kinder anzuziehen. (Quelle: STATISTA / Bundesamt für Statistik Schweiz)

Die Darstellung zeigt in nackten Zahlen, was wir grundsätzlich eh vermuten und kennen: Die Kinderbetreuung bleibt praktisch in den meisten Fällen bei der Mutter hängen. Wenn die Kinder krank sind, bleibt in rund 80% der Fälle die Mutter zu Hause, nur in rund jedem zwanzigsten Fall (5%) übernimmt der Vater das „Zuhause bei den Kindern bleiben“, wenn diese erkrankt sind.

In welchen Regionen der Schweiz werden die meisten Kinder zusätzlich zur familiären und schulischen Betreuung noch weiterführend extern betreut?

Diese Statistik zeigt die Anteil der familien- und schulergänzend betreuten Kinder in der Schweiz nach ausgewählten geografischen Merkmalen (Sprachregion, Grad der Verstädterung, Großregion) im Jahr 2013. 71,4 Prozent der Kinder aus dicht besiedelten Gebieten erhielten mindestens eine der Betreuungsarten. (Quelle: STATISTA / Bundesamt für Statistik Schweiz)

Diese Statistik zeigt die Anteil der familien- und schulergänzend betreuten Kinder in der Schweiz nach ausgewählten geografischen Merkmalen (Sprachregion, Grad der Verstädterung, Großregion) im Jahr 2013. 71,4 Prozent der Kinder aus dicht besiedelten Gebieten erhielten mindestens eine der Betreuungsarten. (Quelle: STATISTA / Bundesamt für Statistik Schweiz)

Die o.g. Zahlen sind plausibel. Besonders in der Großregion Zürich sowie generell in „dicht besiedelten Gebieten“ ist der Anteil der Kinder, die familien- und schulergänzend betreut werden, am höchsten, nämlich rund 71-72%. Erklärung: Erstens ist in Großstädten das externe Betreuungsangebot einfach größer. Zweitens ist dort die Quote hochbezahlter Jobs höher, um sich eine zusätzliche Betreuung leisten zu können. Davon abgesehen: in den Städten arbeiten auch viel häufiger Väter und Mütter, die in ihren Jobs lange und häufig auch extern bei Kunden, auf Geschäftsreisen etc. arbeiten müssen und daher auf eine Zusatzbetreuung angewiesen sind. In der Landwirtschaft und in dünn besiedelten Gebieten, wo alles etwas ruhiger und generell auch familienorientierter (statt Karriere-fokussierter) ist, kommt man mit der familiären und schulischen Betreuung von Kindern häufiger aus.

In welchen Verdienstschichten ist der Anteil familien- und schulergänzend betreuter Kinder am höchsten?

Statistik: Kinder in Haushalten mit überdurchschnittlich gut verdienenden Eltern werden auch überdurchschnittlich oft zusätzlich zu Familie und Schule extern betreut (Quelle: STATISTA / Bundesamt für Statistik Schweiz)

Statistik: Kinder in Haushalten mit überdurchschnittlich gut verdienenden Eltern werden auch überdurchschnittlich oft zusätzlich zu Familie und Schule extern betreut (Quelle: STATISTA / Bundesamt für Statistik Schweiz)

Die obige Statistik zeigt ganz gut, was wir in der Interpretation der vorherigen schon geschrieben haben: Dort wo Eltern viel verdienen, werden die Kinder auch überproportional häufig familien- und schulergänzend betreut. Am höchsten ist der Anteil der Einkommensgruppe von 57.176 – 73.993 Franken pro Jahr. Kinder solcher Haushalte werden zu 77,7% in mindestens einer zusätzlichen Betreuungsart umsorgt und beschäftigt. In den mittleren Einkommensschichten zwischen 35.000 bis gut 57.000 Franken / Jahr beträgt dieser Betreuungsanteil knapp 59%. Und in den untersten Verdienerschichten (unter 34.656 Franken ‚verfügbares Äquivalenzeinkommen‘) ist der Anteil der Kinder, die mindestens eine extra Betreuungsart erhalten, mit 46,6% am niedrigsten.

Sich leisten können oder sich leisten müssen?

Dass sich Gutverdiener häufiger eine zusätzliche Kinderbetreuung leisten, hängt nicht zwangsläufig damit zusammen, dass sie es sich finanziell leisten können. Viel häufiger geht es gar nicht um das Können oder Wollen, sondern eher um das Müssen. Denn um seinen so gut bezahlten Job und die damit oft verbundenen Überstunden machen zu können, muss man halt eine Lösung für die Betreuung seiner Kinder haben. Und wer nicht richtig, richtig viel verdient, sondern eben „nur“ „ganz gut“, für den stellt sich manchmal die Frage: das zusätzlich verdiente Geld, z.B. aus Extraschichten, Überstunden, Wochenendarbeit u.a. – geht das nach Steuern und Abgaben sowie der Extrakosten für die zusätzliche Kinderbetreuung nicht in einem Nullsummen-Spiel auf?!

Umso schlimmer, wenn die teuer gebuchten Kinderkrippen-Tage dann z.B. aufgrund von Krankheit des Kindes gar nicht wie gebucht und bezahlt in Anspruch genommen werden können, sondern Kind und Elternteil dennoch zu Hause bleiben müssen.

Nicht in Anspruch genommene, bezahlte Kinderkrippen-Tage sich erstatten lassen

Und genau zu dieser Problematik hat sich die Zurich-Versicherung (wie passend, wenn wir über die Schweiz und Zürich schreiben) ihr neues Produkt „Kinderkripppen-Versicherung“ einfallen lassen, über das wir eingangs gestoßen sind auf Facebook und welches uns den Aufhänger dieses Artikels gab. Hierbei geht es darum, dass man gegen eine moderate Jahresgebühr sich Krippenkosten bis 150 CHF pro Tag und Kind erstatten lassen kann, wenn das Kind krank ist, einen Unfall hatte o.ä. und deshalb nicht in die Kinderkrippe kann. Ob sich das im konkreten Familienfall lohnt, hängt u.a. von den täglichen Kosten ab, die man für die Kinderkrippe aufzuwenden hat – je höher diese sind, umso eher lässt sich die Prämie dieser ungewöhnlichen Versicherung „amortisieren“, wenn es denn zum Versicherungsfall kommt. Doch wir wollen die Versicherung hier gar nicht im Detail beschreiben; wer mehr wissen will, findet Infos unter den u.g. Links.

Weiterführende Links im Web: